Reittherapie - Teil 3

Rund ums Thema Pferd und die klassische Reitkunst

Moderator: Josatianma

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chica
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Reittherapie - Teil 3

Beitrag von chica »

Reittherapie, die Dritte
Haltung, Ernährung und Gesundheit. Oder: alles, was ich eh schon wusste???

Nach einem Vierteljahr war es endlich soweit: Mit der Reittherapie-Ausbildung in Plennschütz geht’s weiter.
Berlin, 11 Uhr: Schlimmes Schneetreiben, wir fahren los.
Potsdam, 11.45 Uhr: Kein Schnee, nirgends.
Plennschütz, 13.50: Kurz vor knapp kommen wir an, unterwegs kein Stau, kein Schnee, kein gar nichts, nur eine aufgehobene Umleitung. Leider ist auch noch kein Kaffee fertig :(

14 Uhr: Raik, der Institutsleiter, eröffnet das Wochenende und wünscht uns allen noch ein schönes und gutes neues Jahr.

14.45 Uhr: Der Referent für dieses Wochenende, Dr. Frank B., ist da, hat sein Equipment aufgebaut und übernimmt. Powerpoint, zwei Tage lang. Zunächst ein Ausblick auf unser Programm. Dann Hinführung zum Thema Pferdehaltung.
Ausgehend von den Grundbedürfnissen des Pferdes als Flucht- und Bewegungstier erläutert er die verschiedenen Haltungsformen samt Vor- und Nachteilen. In der Runde herrscht weitgehend Konsens. Eine Folie folgt der anderen: Aufstallungsarten, Boxengröße.
Einstreu und Futter: Das erste Aha-Erlebnis. Von allen möglichen Einstreuarten hat Stroh den geringsten Saugfaktor, Holz ist z.B. viermal saugfähiger, Raps, Flachs und Hanf gar etwa 15fach besser. Und das bei nur leicht höheren Preisen.
Nächstes Thema: Weide und daran anschließend Fütterung.
Dann weiter mit Nutzung und Körperpflege. Dass jedes Pferd eigenes Putzzeug hat, sollte ja selbstverständlich sein, ebenso, dass es vor der Arbeit ausreichend aufgewärmt sein soll.
Sozialer Kontakt: sollte jedem Pferd selbstverständlich ermöglicht werden, am besten mit anderen Pferden, zur Not aber auch mit Eseln oder Schafen.
Bis hierhin gab es nur wenig Neues für mich. Auch ein gutes Ergebnis ;)

Dann der große Bereich Pferdegesundheit.
Gesundheitsvorsorge, Impfungen, Wurmkuren: Influenza 1 bis 2mal jährlich, Tetanus alle zwei Jahre, Herpes etwa halbjährlich, Tollwut jährlich, wenn nötig. Ich denke kurz an unsere letzte Impfung und weiß nicht, wann und wogegen (Sept. 05 gegen Influenza und Tetanus – Influenza ist also nötig.) Mit Herpes sind etwa 80% aller Pferde in Berührung gekommen :shock:
Wurmkuren: Viermal jährlich mit unterschiedlichen Präparaten (die verschiedenen Handelsnamen gleicher Wirkstoffe sind zu beachten).

Zwischendrin ist es Abend geworden und wir unterbrechen bis morgen früh. Der Abend wird, wie üblich, kochender-, quatschender- und weintrinkenderweise in der Küche verbracht und endet wieder mal recht früh gegen halb 11.

Am nächsten Morgen zeigt uns Dr. B. noch ein paar nette Parasiten, bevor er das Thema abschließt und zu den gesammelten Erkrankungen übergeht.
Er fängt an mit den Erkrankungen der oberen und unteren Luftwege: Sehr verschiedene Krankheiten und sehr ähnliche Symptome – Nasenausfluss und Husten tauchen fast immer auf, egal ob es Druse oder Herpes oder Bronchitis ist. Erschütternd: Fast 80% aller Pferde in Deutschland haben auf Grund mangelhafter Haltungsbedingungen angegriffene Atemwege – Hauptfaktoren sind Staub, Pilzsporen und schlechte Durchlüftung der Ställe.

Bevor wir uns den Hauterkrankungen widmen, nutzen wir das gute Wetter und gehen für ein paar praktische Übungen raus zu den Pferden. Deren Begeisterung scheint sich in Grenzen zu halten. Atemfrequenz (8-10x je Minute), Pulsschlag (Herzfrequenz; 28-40x)) und Temperatur (37,5 – 38,8°) werden bestimmt. Bei Neron fühle ich keinen Puls, dafür läuft ihm die Nase und er hustet. Bei Lara habe ich mehr Erfolg, mal davon abgesehen, dass sie darauf aus ist, mir die Hände abzulecken (darf sie auch). Das Temperaturmessen mit Thermometer im After habe ich noch nie gemacht, aber Läusel ist sehr geduldig, allerdings steigt das Thermometer nur auf 37,3° :?
Dabei hat übrigens unfreundlicherweise ein kleiner Schneeschauer angefangen, trotzdem erklärt uns Dr. B. noch, wie man die Beine eines Pferdes untersucht, inklusive einer Beugeprobe (3 Minuten). Zum Schluss noch ein paar Stretching-Übungen (die wir genauso bereits praktizieren. Schön, dass es offensichtlich richtig ist).
Bei der Formel für die Gewichtsberechnung blieb es bei der Theorie – ich habe es heute für Dynamit nachgeholt und kam auf etwa 90 kg zu wenig :roll:

Zurück im warmen Seminarraum, gab es Hauterkrankungen (Sommerekzem, Nesselfieber, Pilze, Mauke, Strahlfäule, Phlegmone=Einschuss). Daran schlossen sich die Lahmheiten an, zur Zeit bei Dynamit ein aktuelles Thema und von daher sehr interessant für mich. Hier wurden diverse Ursachen recht eingehend besprochen, ebenso wie die Diagnostik.
Mittlerweile war es wieder Abend geworden und wir versuchten den Pizza-Service von Weißenfels (nicht empfehlenswert). Der harte Küchenkern ging dann wieder gegen halb 11 schlafen, der Rest ranzte da schon längst :?

Sonntagvormittag: Futterrehe als Lahmheitsursache. Interessanterweise ist Heu aus ökologischer Landwirtschaft „gefährlicher“, weil wegen des Verzichts auf Stickstoff- und Phosphatdüngung der Fruktangehalt im Heu höher sein kann.
Es folgen Spat und dann Sehnenschäden, gerade ganz aktuell. Dann noch Gallen (meist ungefährlich, nur als Schönheitsfehler anzusehen).

Als nächstes spezielle Erkrankungen, z.B. Durchfall, Equides Sarkoid, Cushing-Syndrom (übel: auch als Folge einer Cortison-Behandlung) und Koliken. Dazu ein Rezept, das bei geringgradigen Koliken helfen kann:
1 l lauwarmen Kaffee (schwarz)
¼ l Leinöl
3 EL Rhizinusöl und
4 cl Weinbrand - 2 fürs Pferd, 2 für den Menschen.


Aber da waren wir eigentlich schon bei den Notfällen, wozu noch Schlundverstopfungen, Verletzungen und Kreuzverschlag kommen.

Mit dem Inhaltsvorschlag für eine Stallapotheke und einem Erste-Hilfe-Überblick endete dieses sehr interessante Wochenende gegen 13 Uhr. Nur 15 Minuten später fuhr das letzte Auto vom Hof und Lara, Läusel, Neron und Co. waren wieder allein. In vier Wochen geht’s weiter – mit Entwicklungspsychologie und Entspannungsverfahren.

Verfasser: dshengis
LG Ines
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(Noël Pierce Coward)
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Beitrag von dshengis »

So, und dann hänge ich noch drei Bildchen ran:

Zum Einen die alte, sehr baufällige Kirche von Plennschütz.
Dann das ehemalige Pfarrhaus, in dem das PIRT "residiert".
Zum Dritten ein Blick aus dem Küchenfenster auf die Koppel...
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