Kopfhaltung des Pferdes in der Passage

Rund um die klassische Reitkunst

Moderatoren: Julia, ninischi, Janina

Antworten
Benutzeravatar
bea
User
Beiträge: 2265
Registriert: So, 24. Sep 2006 19:34
Wohnort: CH

Kopfhaltung des Pferdes in der Passage

Beitrag von bea »

Wie ich in einem anderen Thread schon geschrieben hatte sind wir gerade dabei, meine RB vom Boden aus anzupassagieren. Da ich mich immer gern auch auf theoretischer Grundlage mit einer Lektion auseinandersetze, hatte ich über die Passage schon diverse Diskussionen mit meiner Lehrerin. Unter anderem ging es dabei um die Kopfhaltung des Pferdes bei dieser Lektion.

Wenn man Pferde in der Natur passagieren (oder auch piaffieren) sieht, dann haben sie die Nase immer vor der Senkrechten. Auch wenn man sich Reiter anschaut, die ihre Pferde am völlig durchhängenden Zügel in diesen Lektionen reiten (mir sind dabei v.a. Bilder von Richard Hinrichs vor Augen), dann ist die Nasenlinie nie in der Senkrechten. Ausserdem sind die Pferde selten dabei im Genick gestellt. Dies einfach mal die Grundbeobachtung zur Lektion...

Naja, mit "meinem" sind wir noch nicht so weit, dass es darum geht, wie genau er den Kopf halten soll, aber wenn meine Lehrerin ihren Grossen in der Passage reitet, dann ist mir aufgefallen, dass sie eben genau auch diese Kopfhaltung vor der Senkrechten zulässt. Trotzdem kommt der Hengst mit sehr viel Schub von hinten, kann sich vorne besser heben und schwebt über den Platz. Es ist keineswegs so, dass er den Rücken nicht hergeben würde, bloss weil er die Nase weiter vorne hat, sondern er hat dadurch eher noch stärker die Möglichkeit, im Rücken zu schwingen und imposante Tritte hinzulegen.
Wenn man sich nun aber Grand Prix-Passagen ansieht, dann bleibt dort der Kopf des Pferdes immer in der Senkrechten (und kaum davor). Häufig sehen diese Passagen in meinen Augen dann aber auch recht gedrängt aus. Trotzdem ist das das Bild, was man von einer Grand Prix-Passage sehen will.

Meine Frage ist nun: Welche Kopfhaltung bevorzugt ihr in der Passage (zumindest, sofern ihr nicht einfach nur der Turnierregeln wegen die Kopfposition in der Senkrechten bevorzugt)? Seht ihr Vor- und Nachteile bei den einzelnen Positionen? (Ich sehe v.a. Vorteile bei der Position vor der Senkrechten; würde mich also vorwiegend für andere Meinungen interessieren.) Ich habe mir schon überlegt, ob je nach Pferd eben der Rücken nicht genug mitarbeiten könnte, wenn man die Nase zu weit vorlässt, aber andererseits ist die Passage ja eine Lektion, die erst auf einer sehr guten Basis erarbeitet wird - wenn das Pferd also die nötige Muskulatur bereits aufgebaut hat und die Hinterhand so gymnastiziert wurde, dass sie weit unter den Körper treten und so auch tatsächlichen Schwung entwickeln kann.

Ich hoffe auf viele fundierte und spannende Meinungen. :)

LG, Bea
Reiten heisst: sitzen - fühlen - denken.
Benutzeravatar
kiki
User
Beiträge: 1417
Registriert: Mo, 25. Sep 2006 08:03
Wohnort: bei Elmshorn

Beitrag von kiki »

Das Pferd soll generell, ob nun Passage oder andere Lektionen immer leicht vor der Senkrechten gehen, was anderes habe ich in der klassischen Reitweise noch nie gehört. :?
Was die in ihrem Paralleluniversum als Dressur beim Grand Prix bezeichnen ist keine klassische Reiterei und meinen Augen nicht das was ich beim reiten mit meinem Pferd anstrebe. :roll:
Gruß Kerstin
Benutzeravatar
bea
User
Beiträge: 2265
Registriert: So, 24. Sep 2006 19:34
Wohnort: CH

Beitrag von bea »

Hallo Kerstin

Danke für deine schnelle Antwort. Was ich in meinem Posting meinte mit "vor der Senkrechten" ist aber nicht nur die geforderte Handbreit, sondern schon mehr.

LG, Bea
Reiten heisst: sitzen - fühlen - denken.
Benutzeravatar
kiki
User
Beiträge: 1417
Registriert: Mo, 25. Sep 2006 08:03
Wohnort: bei Elmshorn

Beitrag von kiki »

Dann beschreib das doch näher. :?
Ich habe immer nur diese armen in die Aufrichtung gezogenen Pferde bei der WM in Aachen vor Augen dich sich vor lauter gezerre schon fast in die Brust beißen, daß ich beim Thema, mit der Kopfhaltung immer nur daran denke. :oops: Sorry. :wink:
Grüße Kerstin
Benutzeravatar
bea
User
Beiträge: 2265
Registriert: So, 24. Sep 2006 19:34
Wohnort: CH

"deutlich vor der Senkrechten":

Beitrag von bea »

Wenn ich mit dem PC besser zeichnen könnte, dann könnte ich nun eine Grafik anfertigen. :? So muss ich halt mal versuchen, das irgendwie zu beschreiben... :oops:
Also: "deutlich vor der Senkrechten" heisst für mich, dass sich, wenn man die Linie über die Pferdenase auf den Boden hinunter eben kein rechter Winkel ergibt (> was bei der Senkrechten ja der Fall wäre), sondern ein Winkel von vielleicht sechzig bis siebzig Grad. Das Genick des Pferdes bleibt der höchste Punkt, der Rücken ist aufgewölbt, aber die Nasenlinie ist eben weiter vorne. (wie weit, hängt natürlich vom Pferd ab)

War das halbwegs verständlich? *schwirr* :oops:

LG, Bea
Reiten heisst: sitzen - fühlen - denken.
Benutzeravatar
kiki
User
Beiträge: 1417
Registriert: Mo, 25. Sep 2006 08:03
Wohnort: bei Elmshorn

Beitrag von kiki »

Ich kann leider nur von der Firma aus mailen, da ich zu Hause keinen Internetanschluß habe ( ich hoffe aber, daß das sich bald in noch nicht habe ändert ) daher muß ich immer sehen, wann ich mal für eine mail Zeit habe. :?
Das mit den unterschiedlichen Pferden wollte ich auch gerade sagen.
Mein "Kleiner" hat leider einen zu tief angesetzten Hals und somit mit der Haltung mehr Probleme, ferner ist die Ganaschenfreiheit ein wenig eingeschränkter als bei "normalen" Pferden. Geht er zu tief fängt er hinten an zu Schieben, trägt sich nicht mehr und drückt den Rücken weg, geht er mit der Kopfhaltung zu hoch wird er unwillig schlägt mit dem Kopf und beißt in die Anzüge ( nicht wundern reite erstmal nur mit Pellham Zügel in den Ringen nicht in den Anzügen ). Hat er eine Kopfhaltung leicht vor der Senkrechten wird er locker und angenehm leicht in der Hand. Er ist aber noch in der Ausbildung.
Meine Stute ( die Mutter von ihm ) ist ein Quadratpferd mit sehr schön aufgesetzten Hals der die Aufrichtung schon alleine dadurch leichter fällt.
Ich denke das mit der Halshaltung hängt vom Exterieur und Ausbildungsstand ab. Wie du schon selber sagtest wird ja auch erst mit einem gut ausgebildeten Pferd passagiert.
Ich teile auch deine Meinung mit der Kopfhaltung, du warst ja auch mehr an Berichten die das Gegenteil vertreten interessiert, da kann ich dann leider nicht viel zu sagen.
Hab jetzt leider gleich Feierabend, sehe morgen wieder rein, was du geschrieben hast.
Grüße Kerstin
Benutzeravatar
Josatianma
Admin
Beiträge: 12317
Registriert: Di, 19. Sep 2006 20:50
Wohnort: Reichshof

Beitrag von Josatianma »

Hallo bea,

erstmal habe ich Deine Frage verschoben, da sie mir zu wichtig erscheint, als dass sie im Allgemeinen an manch einem Vorbeigeht.

Die Passagen, die wir von den Turnierreitern in den Grand Prix-Prüfungen sehen, sind für mich keine Passagen im klassischen Sinne. Die Passagen sind zu sehr auf der Vorhand. Um jedoch eine Passage nicht auf der Vorhand zu haben, muss dem Pferd ja ermöglichen durch das Vorlassen des Kopfes sich mehr auf die Hinterhand zu setzen.

Leider ist das bis jetzt nur etwas theoretisches Wissen und es gibt sicher Leute, die es noch ein bischen besser beschreiben können.
Liebe Grüße, Sabine

Ideale sind wie Sterne, man kann sie nicht erreichen, aber man kann sich an ihnen orientieren

"Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt" Mahatma Gandhi
DaMoTiRo
User
Beiträge: 981
Registriert: Di, 26. Sep 2006 12:09
Wohnort: Buchholz/Ww.

Beitrag von DaMoTiRo »

Ich wär froh, wenn ich die richtige Kopfhaltung meines Pferdes in den drei Grundgangarten auf die Kette kriegen könnte... :oops:
Solange Menschen denken, dass Pferde nicht fühlen, müssen Pferde fühlen, dass Menschen nicht denken.
Antworten